Traditionelles Handwerk und die autarke Wirtschaft Ein großer Herrensitz wie Els Calderers war im 18. und 19. Jahrhundert weit mehr als nur ein luxuriöser Wohnort für den mallorquinischen Adel. Das Anwesen funktionierte wie ein kleines, eigenständiges Dorf und war wirtschaftlich vollkommen autark. Alles, was zum täglichen Leben, zur Ernährung der Bewohner und zur Instandhaltung der Gebäude benötigt wurde, stellten die Bediensteten direkt vor Ort auf dem riesigen Gelände selbst her. Überschüsse wurden auf den traditionellen Märkten im Umland, wie dem berühmten Viehmarkt im nahegelegenen Sineu, getauscht oder verkauft. In den oberen Etagen faszinieren die prunkvollen Räume der Adelsfamilie: Der elegante Musiksaal mit einem historischen Klavier, das feine Damenzimmer, das private Schlafgemach mit schweren Holzmöbeln und die prachtvolle Hauskapelle zeugen vom luxuriösen Lebensstil der Elite. Steigt man hingegen hinab in den Wirtschaftstrakt, steht man in der riesigen, rustikalen Gutsküche. Die gewaltigen offenen Feuerstellen und die originalen Kupferkessel lassen sofort erahnen, wie hart der Alltag der Bediensteten war, die hier tagtäglich für das Wohl der Herrschaften schuften mussten. Els Calderers war weit mehr als nur ein feudaler Wohnsitz – es war ein völlig autarker Wirtschaftshof, der sich komplett selbst versorgen konnte. Bei meinem Rundgang haben mich die angeschlossenen historischen Werkstätten besonders in den Bann gezogen. In der hofeigenen Schmiede, der Schreinerei und der alten Weberei liegen die Werkzeuge noch genau so auf den Werkbänken, wie sie vor Jahrhunderten von den Handwerkern benutzt wurden. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Ein autarker Mikrokosmos im Inselzentrum Auch die landwirtschaftliche Tradition wird auf dem weitläufigen Gelände bis heute aktiv gepflegt. In den historischen Stallungen und Gehegen rund um den Hof tummeln sich einheimische, teils seltene Tierarten. Besonders die berühmten schwarzen mallorquinischen Schweine (Porc Negre), aus denen die inseltypische Sobrassada-Wurst hergestellt wird, sowie mallorquinische Esel, Ziegen und Schafe sind ein absolutes Highlight – gerade auch, wenn man das Gut mit der Kamera erkundet. Beim Verlassen des prächtigen Herrenhauses führt der Rundgang die Besucher direkt in die Welt der Handwerker und Arbeiter. Das Gut verfügt über eine Reihe von originalgetreu erhaltenen Werkstätten, die einen faszinierenden, aber auch ungeschönten Einblick in die harte körperliche Arbeit der damaligen Zeit gewähren. In der historischen Guts-Schmiede, in der noch heute die alten Werkzeuge, Ambosse und Zangen an den Wänden hängen, wurden Hufeisen geschmiedet und landwirtschaftliche Geräte repariert. Direkt daneben befindet sich die Schreinerei, die für den Bau von Möbeln und die Reparatur der hölzernen Fuhrwerke zuständig war. Auch ein eigener Raum für die Weinherstellung (Bodega) und eine Ölmühle (Tafona) gehörten zum Kern der Anlage, um die reichen Olivenernten der Region direkt zu kostbarem Öl zu pressen. Ein besonderer Höhepunkt in diesem Bereich ist der alte Schuppen für die Pferdefuhrwerke. Hier können Besucher eine beeindruckende Sammlung historischer Kutschen und landwirtschaftlicher Wagen bestaunen. Jedes dieser Fuhrwerke erzählt seine eigene Geschichte von beschwerlichen Transporten über die damals noch unbefestigten Schotterpisten Mallorcas. Nur wenige Schritte weiter wird jedoch auch der scharfe Kontrast des damaligen Klassensystems deutlich: Während die Gutsherren im Palast im puren Luxus schwelgten, schliefen die Knechte und Mägde in extrem einfachen, spartanisch eingerichteten Schlafräumen für Bedienstete. Ein schlichtes Holzgestell, eine dünne Matratze und minimale Habseligkeiten waren alles, was den Arbeitern nach einem langen Tag auf den Feldern blieb. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Das Tierparadies und die idyllischen Gärten im Herzen des Es Pla Neben dem Handwerk bildete die Viehzucht das schlagende Herz von Els Calderers. Auch heute noch ist das Landgut ein lebendiger Bauernhof, auf dem die traditionellen, inseltypischen Tierrassen Mallorcas gehegt und gepflegt werden. Für Familien und Tierliebhaber ist dieser Teil des Geländes oft das absolute Highlight des Ausflugs. Das Anwesen hat es sich zur Aufgabe gemacht, autochthone Rassen vor dem Aussterben zu bewahren. Dazu gehören neben den charakteristischen schwarzen mallorquinischen Schweinen (Porc Negre), aus denen die berühmte Streichwurst Sobrassada hergestellt wird, auch die mallorquinischen Schafe, Ziegen und Hühner. Beim Spaziergang durch die weitläufigen Stallungen und Gehege spürt man sofort die friedliche, ländliche Atmosphäre. Die Tiere sind an Besucher gewöhnt und zeigen sich von ihrer neugierigsten Seite. Wer sich den Gehegen nähert, wird meist schon ungeduldig von den Eseln des Gutes erwartet, die nur darauf warten, eine extra Portion Futter zu ergattern. Die zutraulichen Tiere nehmen angebotenes Heu oder Futter dankbar an und lassen sich bereitwillig streicheln – ein unvergessliches und emotionales Erlebnis, das den authentischen Charakter dieses lebendigen Museums perfekt unterstreicht. Hinter den Tiergehegen öffnet sich die Anlage zu einem wunderschönen, weitläufigen Garten. Zwischen schattigen Zypressen und historischen Steinmauern erstrecken sich ausgedehnte Obstplantagen. Je nach Jahreszeit duftet es hier intensiv nach reifen Zitronen, Orangen, Feigen und Mandeln. Auch das Geflügel, wie Enten und Gänze, schnattert fröhlich in ihren Gehegen und genießt das Leben in dieser grünen Oase. Ein Spaziergang durch diese wunderschöne Gartenanlage bietet die perfekte Gelegenheit, die vielen Eindrücke der historischen Zeitreise in aller Ruhe Revue passieren zu lassen. Els Calderers schafft es wie kaum ein anderer Ort auf Mallorca, die Brücke zwischen herrschaftlicher Geschichte, traditioneller Arbeit und lebendiger Natur zu schlagen. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Mein persönlicher Tipp Nimm dir nach dem Rundgang durch das riesige Haupthaus unbedingt etwas Zeit für den idyllischen, von Säulen gesäumten Innenhof (Patio). Hier befindet sich eine kleine, rustikale Probierstube. Dort kannst du hausgemachte mallorquinische Spezialitäten wie die streichfähige Rohwurst Sobrassada oder süßen, inseltypischen Kräuterlikör (Hierbas) verkosten, die direkt in der Region nach traditionellen Rezepten hergestellt werden. Wenn Ihr Euch auf den Weg in die weitläufigen Gartenanlagen macht, achtet unbedingt auf festes Schuhwerk. Die Wege sind natürlich gehalten. also keine glatten Strassen. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Fazit und Ausflugstipps für die Region Sant Joan Der Ausflug lässt sich zudem perfekt mit einer Erkundungstour durch das traditionelle Umland verbinden. Die Region rund um Sant Joan im Herzen der Es Plà-Ebene ist vom Tourismus fast völlig unberührt. Entlang der ruhigen Landstraßen prägen historische Windmühlen, weite Getreidefelder und alte Trockensteinmauern das Landschaftsbild. Nach dem Besuch des Gutshofes lohnt sich ein Abstecher in das beschauliche Dorf Sant Joan, um in einer der kleinen, einheimischen Bars einen Café con Leche zu trinken und das entspannte, echte mallorquinische Dorfleben auf sich wirken zu lassen. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Veröffentlicht am: 13.10.2026 von Jens Seyfert
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Gründer von urlaubsgigant.de | CNC-Dreher & Reise-Enthusiast
Gekaufte Stockfotos oder zusammengewürfelte Berichte vom Schreibtisch aus gibt es hier nicht. Ich betreibe dieses Portal nebenbei aus reinem Spaß an der Freude und teile hier ausschließlich meine persönlichen Urlaubserfahrungen. Wenn ich nicht gerade im Hauptberuf als CNC-Dreher an den Maschinen stehe, zieht es mich in die Welt hinaus. Alle Berichte, Fotos und Videos auf dieser Seite habe ich vor Ort selbst gemacht – für ehrliche Insider Tipps aus erster Hand.
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Els Calderers - Eine Zeitreise in das alte Mallorca