Die ausführliche Chronik von Raixa Vom maurischen Gehöft zum UNESCO Zentrum. Die Geschichte von Raixa ist ein Spiegelbild der gesamten Historie Mallorcas. Hinter den heutigen, eleganten Fassaden verbergen sich Jahrhunderte voller Machtwechsel, Zerstörung, Kunstsinn und politischer Umbrüche. Wer das Gut verstehen will, muss seine vier großen Epochen kennen. Ein Besuch in Raixa wäre nicht vollständig ohne den Rundgang durch das Herrenhaus, welches seit einigen Jahren als offizielles Besucherzentrum für das UNESCO-Welterbe Serra de Tramuntana fungiert. Die interaktive Ausstellung ist hervorragend aufbereitet und erklärt anschaulich, wie die Menschen über Jahrhunderte hinweg in Einklang mit der rauen Gebirgsnatur gelebt haben. Hier erfahren Urlauber alles über das ausgeklügelte historische Wassersystem der Insel (die sogenannten Pedra en Sec / Trockensteinmauern und Kanäle), die traditionelle Olivenöl-Produktion und die Tierwelt der Tramuntana. Besonders sehenswert im Erdgeschoss ist die perfekt restaurierte, historische Ölmühle (Tafona), die eindrucksvoll zeigt, dass Raixa trotz all seines Prunkes und des kardinalen Luxus im Herzen immer auch ein funktionierendes, autarkes mallorquinisches Landgut war. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Das Erbe von Araixa - Die maurischen Wurzeln Die Wiege des Landgutes liegt in der Epoche der maurischen Herrschaft über Mallorca (vom 10. bis zum frühen 13. Jahrhundert). Islamische Siedler erkannten schnell das enorme Potenzial des wasserreichen Tals am Fuße der Tramuntana. Sie gründeten hier eine sogenannte Alquería – ein autarkes, landwirtschaftliches Gehöft – und gaben ihm den Namen Araixa. Das größte Vermächtnis dieser Zeit, das bis heute die Basis für die Pracht des Gutes bildet, ist das ausgeklügelte Bewässerungssystem. Die Mauren verstanden es meisterhaft, das Quellwasser aus den Bergen über raffinierte Kanäle, Auffangbecken und Gefälle umzuleiten. Ohne diese maurische Vorarbeit hätte Kardinal Despuig Jahrhunderte später niemals seine monumentalen Ziergärten anlegen können. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Die christliche Eroberung und das Blutbad der Germanías (1229–1522) Mit der Eroberung Mallorcas im Jahr 1229 durch König Jakob I. von Aragón änderte sich alles. Die maurischen Besitzer wurden vertrieben, und der König teilte das Land unter seinen treuen Rittern auf. Raixa ging zunächst an den Grafen von Ampurias und wechselte in den folgenden Jahrhunderten mehrfach den Besitzer, darunter die einflussreichen Familien Sureda und Safortesa. Das dunkelste Kapitel der Finca spielte sich im Jahr 1522 ab. Während der sogenannten Germanías-Aufstände (einer gewaltsamen Revolte der mallorquinischen Handwerker- und Bauernzünfte gegen den Adel und die Krone) geriet Raixa mitten in die Schusslinie. Da die damaligen Eigentümer, die Familie Safortesa, bedingungslos treu zum Vizekönig standen, wurde das Landgut von den wütenden Rebellen gestürmt, geplündert und fast vollständig niedergebrannt. Nur wenige gotische Fundamente und Steinbögen überstanden dieses Inferno. Nach Niederschlagung des Aufstands wurde das Gut im traditionell mallorquinischen Finca-Stil wieder aufgebaut – robuster und wehrhafter als zuvor. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Das goldene Zeitalter - Kardinal Despuig und der italienische Geist Im Jahr 1660 erwarb die Familie Despuig das Anwesen, doch erst über ein Jahrhundert später schlug die eigentliche Geburtsstunde des heutigen Raixa. Ende des 18. Jahrhunderts übernahm Kardinal Antoni Despuig i Dameto (1745–1813) das Zepter. Despuig war kein gewöhnlicher Kirchenmann, sondern ein hochgebildeter Mann der Aufklärung, Kunstmäzen und passionierter Archäologe. Während seiner langen Aufenthalte in Rom leitete er eigene Ausgrabungen auf dem Gelände der antiken Stadt Tusculum. Die dort entdeckten römischen Skulpturen, kostbaren Marmorbüsten und antiken Inschriften ließ er in Kisten verpacken und per Schiff nach Mallorca bringen. Raixa sollte ihr neuer, standesgemäßer Rahmen werden. Gemeinsam mit dem italienischen Architekten Giovanni Lazzarini transformierte er die wehrhafte mallorquinische Finca in einen neoklassizistischen Palast nach dem Vorbild römischer Villen. Er ließ die berühmte, filigrane Loggia mit ihren Rundbögen errichten, entwarf die monumentale Apoll-Freitreppe und legte das gigantische, 82 Meter lange Wasserbecken an. Raixa wurde zum ersten echten Privatmuseum der Insel und zum Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle aus ganz Europa. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Niedergang und die Rettung als UNESCO Welterbe Nach dem Tod des Kardinals im Jahr 1813 begann im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts der langsame Niedergang der Pracht. Die immensen Kosten für den Erhalt des riesigen Anwesens belasteten die Familie Despuig schwer. Ein Großteil der wertvollen antiken Kunstsammlung musste verkauft werden – sie befindet sich heute glücklicherweise im Besitz der Stadt Palma und kann im Castell de Bellver besichtigt werden. Im Jahr 1910 erwarb der reiche mallorquinische Unternehmer Antoni Jaume das Gut, bevor es schließlich im Jahr 2002 durch die öffentliche Hand (die Inselregierung von Mallorca und das spanische Umweltministerium) für rund 8,4 Millionen Euro gekauft wurde. Nach jahrelanger, millimetergenauer Restaurierung wurde Raixa als Besucherzentrum für das UNESCO-Welterbe Serra de Tramuntana neu eröffnet. Heute erzählt das Gut nicht mehr nur seine eigene Geschichte, sondern dient als lebendiges Schaufenster für die jahrhundertealte Kulturlandschaft der gesamten Bergkette. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Der herrschaftliche Charme - Ein Palast im Wandel der Jahrhunderte Wer die von Zypressen gesäumte Allee des Landgutes Raixa beschreitet, begibt sich auf eine archäologische Zeitreise. Trotz der umfassenden Umbauten im Stil des Klassizismus haben sich im Kern des Herrenhauses faszinierende Fragmente aus älteren Epochen erhalten. So zeugen die gotischen Kreuzgewölben im Bereich der Kapelle sowie die wuchtigen Eingangsbögen des zentralen Stein-Innenhofs (Clastra) von der tiefen Verwurzelung des Anwesens im mallorquinischen Mittelalter. Bei den jüngsten, aufwendigen Restaurierungsarbeiten stießen Denkmalschützer im Hauptsaal sogar auf Brandspuren an einem gotischen Fenster – ein stummer Zeuge des verheerenden Angriffs aus dem Jahr 1522. Der wahre Mastermind hinter dem heutigen Prachtbau war jedoch Kardinal Antoni Despuig. Als Mann der Aufklärung und passionierter Sammler verbrachte er viel Zeit in Rom, leitete dort eigene archäologische Ausgrabungen und brachte unzählige antike Skulpturen, Marmorbüsten und Kunstschätze mit nach Mallorca. Er wandelte Raixa in ein privates Museum um. Auch wenn ein Großteil dieser Sammlung nach seinem Tod verkauft wurde und die verbliebenen Originale heute im Castell de Bellver in Palma zu bewundern sind, atmet die Architektur in Bunyola noch immer diesen noblen, italienischen Geist. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies an der filigranen Loggia aus dem Jahr 1808, die dem Hauptgebäude vorgelagert ist und einen atemberaubenden Blick auf die südlichen Gärten freigibt. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Die terrassierten Gärten - Der Aufstieg zum Panorama Pavillon Wer den Schnellen Check beherzigt und festes Schuhwerk gewählt hat, sollte sich den Weg in die oberen Gartenanlagen keinesfalls entgehen lassen. Die Gärten von Raixa sind in einen unteren und einen oberen Bereich unterteilt. Während unten der traditionelle Orangengarten und schattige Säulengänge dominieren, fordert der obere Teil etwas Kondition. Der Pfad führt vorbei an künstlich angelegten Grotten, historischen Wasserspielen, kleinen Einsiedeleien und einem neugotischen Puppenhaus. Schritt für Schritt windet sich der Weg durch mediterrane Haine nach oben, bis man schließlich den neuromanischen Aussichtspavillon auf dem Gipfel des Hügels erreicht. Von diesem Aussichtspunkt bietet sich ein grandioser Panoramablick, der über das gesamte Tal von Bunyola bis hin zur Bucht von Palma reicht. Da der Aufstieg von den meisten Bustouristen gemieden wird, genießt man hier oben eine absolute, fast andächtige Stille inmitten der Natur – perfekt, um abseits der Massen durchzuatmen. Nach oben Urlaubspreise vergleichen›
Veröffentlicht am: 15.10.2026 von Jens Seyfert
Über den Autor
Jens Seyfert
Gründer von urlaubsgigant.de | CNC-Dreher & Reise-Enthusiast
Gekaufte Stockfotos oder zusammengewürfelte Berichte vom Schreibtisch aus gibt es hier nicht. Ich betreibe dieses Portal nebenbei aus reinem Spaß an der Freude und teile hier ausschließlich meine persönlichen Urlaubserfahrungen. Wenn ich nicht gerade im Hauptberuf als CNC-Dreher an den Maschinen stehe, zieht es mich in die Welt hinaus. Alle Berichte, Fotos und Videos auf dieser Seite habe ich vor Ort selbst gemacht – für ehrliche Insider Tipps aus erster Hand.
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